Donnerstag, 21. Mai 2015

Pheromone, Riechstifte und eine olfaktorische Explosion...



erwarteten uns Mitte April im "Interdisziplinären Zentrum für Riechen und Schmecken" am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden (s.hier). Hier hatten wir eine Verabredung mit dem Leiter des Interdisziplinären Zentrums, Prof. Dr. med. Thomas Hummel.


Wir, die Mitglieder des Arbeitskreises Sachsen-Thüringen des Vereins Aroma-Forum-International e.V.  (s.hier) , erwarteten schon sehnsüchtig diesen Termin. So oft  gibt es nicht die Gelegenheit einen Experten, auf dem Gebiet der Erforschung der chemosensorischen Sinne (Riechen und Schmecken und deren Störungen), persönlich kennenzulernen und dabei auch noch einen Blick in die entsprechenden Riechlabors werfen zu dürfen.                                 
Arrangiert hatte das Treffen Manuela Blumtritt, Leiterin der AK. 


Nach einem freundlichen Empfang und einer kurzen Einführung (die so „winzig kleine“ Fragen zum Geruchssinn enthielt, die frau veranlasste intensiv in irgendeiner Nische des Gehirns zu „wühlen“ – mit dem festen Wissen, ich weiß es - aber WO???) machten wir Bekanntschaft mit den „Sniffin Sticks“.

Es war schon eine Herausforderung diese Riechstoffe als das zu erkennen, was sie sein sollte. Ein völliges Umdenken und Umriechen war nötig, da wir auf die natürlichen Düfte der ÄÖ „geeicht“ sind. So nahmen unsere, Citrus sinensis (L), verwöhnten Nasen verwundert das „Odeur“ des Riechstiftes „Orange“ zur Kenntnis. Ein nasales Schütteln ließ sich nicht unterdrücken.. Dumpf, und schlapp, leicht bonbonartig kam diese „Orange“ daher....
Auch der Duft Zimt verwirrte, erinnerte er doch eher an Spekulatius auf dem Weihnachtsteller. Der Ananasduft hingegen war sehr eindeutig. Der Duft der „alten Schweißsocke“ schwankte zwischen muffigem vergessenen Mülleimer und alter Wäsche. Unsere Nasen hatten ein gewisses Vergnügen dabei.

Es zeigte sich auch hier, dass es ohne Deskriptoren nicht einfach ist, einen Duft eindeutig zuzuordnen. Mit Hilfe, z.B., von Abbildungen ist es leichter den Weg zur vermeintlichen Geruchs „Quelle“ zu finden. Ohne Namen bekommt ein Duft eine andere, viel größere Wahrnehmungs-Dimension. Ein benannter Duft hingegen, führt eher zu einer reduktionistischen Wahrnehmung. Das Bild und/oder der Begriff prägen die Duftwahrnehmung wesentlich - der Neokortex hat die Oberhand.
Einen Duft allumfassend entdecken zu wollen, verlangt ihn „blind“ zu riechen.

Die Frage, weshalb nimmt man für die Riechtests nicht die (guten) ÄÖ, erübrigt sich, wenn der Sinn der Riechtests betrachtet wird. Um einen Verlauf des Riechgeschehens beurteilen zu können und aussagefähige Ergebnisse zu erhalten, braucht es eindeutige Referenzobjekte. Die standardisierten Riechstoffe der „Sniffin Sticks“ gewährleisten dies. ÄÖ sind viel zu agil und variabel und könnten möglicherweise ganz andere „Seiten“ anklingen lassen…
Prof. Hummel erwähnte, dass mit gezielten Riechübungen durchaus die Möglichkeit bestehe, dass sich die Anzahl der Riechrezeptoren oder die Anzahl der Riechzellen vermehren könnten. Sinnvoll sei es, diese Übungen über einen längeren Zeitraum durchzuführen.

Als uns Prof. Hummel geheimnisvoll ein braunes Glas (s.Bild u. Mitte) mit einer "kostbaren Geruchssubstanz" reichte, kam Bewegung in die Runde. Die Reaktionen schwankten  zwischen Gleichgültigkeit, Abscheu (Männertoilette) und neugierigem Nachschnüffeln…Prof. Hummel beobachtet schmunzelnd die Wahrnehmungen und Verhaltensweisen.
Es war Androsteron.

Und da waren sie, die Pheromone. Pheromone, die die Hoffnung nähren, anziehend und unwiderstehlich zu sein. Quasi den „Seidenspinnerweibchen - Effekt“ sicher in der Tasche zu haben. Ein entsprechender Duftstoß und das Männchen (oder Weib“chen“) hat keine Chance. Es muss!!! Es folgt unwiderstehlich und unbeirrt dieser Duftspur, um sich hingebungsvoll seinem arterhaltenden Job zu widmen...

Interessant war, was Prof. Hummel über Pheromone berichtete. Es brachte einiges bisher geglaubte arg ins Wanken. So trivial und phänomenal, wie über die Wirkung der Pheromone auf Menschen berichtet, geschrieben und geworben wird, ist es durchaus nicht.

Es steht grundsätzlich die Frage produzieren Menschen die Pheromone und gibt es ein entsprechendes Empfängersystem, dass die Informationen verarbeiten und ein spezielles Verhalten (zwangsläufig und quasi willenlos) auslösen kann…
Hier nur so viel dazu. Es ist sinnvoll zum Thema Pheromone einen Extrabeitrag zu schreiben.
Der Begriff „Pheromon“ wurde 1959 von Karlson & Lüscher im Zusammenhang mit Forschungen über Insekten geprägt.


Unsere (tapfere) Standhaftigkeit gegenüber der pheromenalen Herausforderung wurde mit einem kleinen Experiment belohnt.
Wir nahmen uns eine Süßigkeit und folgten den Anweisungen:
Nase zuhalten, Süßigkeit in den Mund stecken, schmecken … und dann … Nase öffnen … und da war sie, die Olfaktorische Explosion! Unerwartet, gigantisch, ein Duftfeuerwerk.
Wir hatten in diesem Augenblick die retronasale Geruchswahrnehmung kennengelernt. Fantastisch!

Diese Erfahrung machte unmißverständlich klar, welche Welt verlorengeht, wenn der Geruchsinn geht…

Zum Abschluss genossen wir noch eine Führung durch die Labors. Eindrucksvoll das Olfaktometer, in seine Größe und mit seinen Möglichkeiten...

DANK

Für diese erlebnisreiche Zeit im Interdisziplinären Zentrum möchte ich mich, auch im Namen des AK, sehr herzlich bei Prof. Dr. med. Thomas Hummel bedanken. Besonders für die interessanten Ausführungen, die geduldige Beantwortung unserer Fragen, den Humor und für die unvergesslichen (Duft)Erlebnisse.

Liebe Manuela, das war eine geniale Idee, diesen Besuch zu planen. Vielen, vielen Dank für die gelungene Organisation und dieses tolle Erlebnis.
 



1 Kommentar:

  1. Vielen Dank, Christine, für den ausführlichen Bericht. Ganz liebe Grüße, Anja (Dufthandwerk)

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