Montag, 5. Januar 2015

Ein "Parfüm" aus Holunderblüten...

im Briefkasten lag ein Brief. 
Ein Neujahrsgruß. 
...mit einem Gedicht von Eva Strittmatter. Ein Gedicht über den Holunder, über Düfte. 

Ein wunderschönes Gedicht.
Sämtliche Gedichte"  Aufbau Verlag 2006) 

Während ich es las, erinnerte sich mein Geruchsgedächtnis an die wunderbar duftenden Holunderblüten des letzten Jahres.
Da ist der Duft der jungen, frischen und reinweißen Blüte. Leicht, kühl, fruchtig mit einer grünen etwas holzigen Note. Ein sehr angenehmer betörender Duft. Für mich ein Inbegriff für den jungen Sommer...

Wenn die Blüten voller Blütenstaub und quasi in die "Reife" gekommen sind, dann umgibt sie ein animalischer, schwerer, süßer Geruch. Fast schon widerlich. 

In der Mittagssonne einen Korb voller Holunderblüten gepflügt, um Sirup und Blütenessig herzustellen. Den Duft des Sommers einzufangen.

Allein der Gedanke, diesen Duft auf der Haut zu tragen, ließ mich mutig den Versuch, die Holunderblüten in Öl auszuziehen, noch einmal unternehmen. Ein derartiger Versuch war mir ein Jahr zuvor total missglückt - es war eine exzellente Jauche geworden - geruchlich seeehr eindrucksvoll.

Also, die Holunderblüten ausgeschüttelt, ausgebreitet (um mögliche Restfeuchte zu entfernen), die Blüten von den Stängel befreit, in ein Schraubglas gegeben und mit Mandelöl (süß) übergossen. Das Glas mehrmals "aufgestaucht", damit Luftblässchen entweichen können und mit einem Mulltuch abgedeckt. Das Ganze in den Halbschatten gestellt und am nächsten Tag den Deckel geschlossen. Jeden Tag das Glas etwas bewegt und gewartet.
Nach ca. 6 Wochen habe ich das Glas geöffnet, in großer erwartungsvoller Vorfreude und ... ich prallte zurück! Es stank fürchterlich! Wie die "gereiften" Blüten. 
Material und Öl sahen jedoch einwandfrei aus. Frustriert schloss ich das Glas wieder und wollte es später entsorgen ... dabei habe ich es vergessen. Irgendwie kam es erst nach ca. 3 Monaten bewusst wieder in mein Gesichtsfeld und ich brachte es endlich (schweren Herzens) weg.

Die Überraschung: nicht entsorgen sondern filtern! 
Es duftete wunderbar aus dem Glas.
Der pure Duft von Holunderblüten - herrlich! 
Ein Duft, wie ich ihn wollte.

Es ist mir ein Rätsel, welcher Prozess der Umwandlung in der Zeit des "Vergessens" stattgefunden hat...

Nach lesen des Gedichtes, habe ich das Holunderblütenöl wieder hervorgeholt. Es ist noch besser geworden. Gereift, wie ein alter Wein. Eine kleine Kostbarkeit. Der Blütenduft ist so identisch präsent. Schließe ich die Augen, dann stehe ich am Hollerbusch, spüre die Sonne auf der Haut und atme genussvoll diesen Sommerduft ein. Ich fühle mich völlig entspannt, geborgen und in freudiger Neugier...


Es ist ein Parfüm des Sommers entstanden, das keine weiteren Zutaten braucht.

Interessant ist die Reaktion auf den Duft. Habe einige Tropfen auf meine Handrücken aufgetragen und mein Gegenüber gebeten mir zu sagen, wie es riecht. "...es riecht sehr gut, etwas nach Moschus..."
Olla! Diese Parfüm hat es irgendwie in sich.

In diesem Jahr werde ich die Blüten in Jojobaöl ansetzen, damit das Ergebnis unsterblich wird sprich sehr lange hält.

Auch ein Balsam oder eine Creme mit diesem Holunderblütenöl wären denkbar.


PS: Bei Susanne Fischer-Rizzi in ihrem neuen Buch, "Das grosse Buch der Pflanzenwässer" AT Verlag 2014, habe ich folgendes zu Holunderblütenwasser (S.122/123) gelesen: "ausgleichend, beruhigend, entspannend, schlaffördernd, stimmungshebend, stressmildernd, abschwellend, entstauend, entzündungshemmend, immunstimulierend, schweißtreibend". Diese Angaben beziehen sich explizit auf das Hydrolat aus Holunderblüten. Vielleicht gibt es Ähnlichkeiten zum Ölauszug...

Kommentare:

  1. Hollerblüten-duft-rollon - Schon allein der Begriff!!
    Holunder - jauchz!! - Ich hab grad für Enkeltöchterchen einen Tee angesetzt, Holunderblüten, Mädesüßblüten und Lindenblüten - gut gegen Erkältungserscheinungen wie Kopf- und Gliederschmerzen.
    Holunderblüten - ich bin auch begeistert von diesem Duft. Einfach einmalig.
    Das Hydrolatbuch hat Eliane ja so wunderbar beschrieben - ich bin kurz davor, es zu bestelltn.
    Dir ein schönes, duftendes Jahr 2015 - guter Tipp, die Blüten einzulegen. Mal gucken, ob es auch mit den getrockneten funktioniert.
    Über den Hollerbusch könnte ich Romane schreiben. Aus den dickeren Zweigen haben wir früher Flöten hergestellt.
    LG Heidi

    AntwortenLöschen
  2. wieder mal eine wunderschöne beschreibung! und eine erinnerung, dass reifen durchaus etwas positives sein kann!!!

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe eine Frage, wann sollte man Filtern? Denn gerne würde ich es dieses Jahr versuchen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Martina,

      normalerweise hätte ich den Auszug nach 6 Wochen abgegossen und gefiltert (ich nehme dazu Kaffeefilterpapier). Wie ich aber geschrieben habe, war zu diesem Zeitpunkt das "Produkt" von Wohlgeruch weit entfernt. Dieser Auszug wurde erst nach ca. 12 Wochen abgefiltert! Das Holunderblüten-Öl (mein Parfüm) riecht auch jetzt noch immer super.
      Meine Empfehlung wäre: die Holunderblüten im noch "jungfräulichen" Stadium zu pflügen und in Öl anzusetzen (Mandelöl wäre gut, wenn es lange halten soll würde Jojobaöl besser geeignet sein).
      Viel Erfolg beim Experimentieren und gutes Gelingen.
      Ich werde es dieses Jahr ebenfalls wieder versuchen - der Duft ist sooo wunderbar!

      Herzlichst Christine

      Löschen