Samstag, 20. April 2013

Geliebte und Ungeliebte - Geranium (Pelargonium graveolens)

... Das riecht ja furchtbar, aufdringlich...nee, nicht mein Ding!

So oder ähnlich, sind öfters die verbalen Reaktionen auf den unbekannten ("blindgerochenen") Duft von Geranium. Die Gesichter verziehen sich erschrocken, belästigt oder angewidert und die Nasen flüchten aus der Duftrichtung. Der Arm, mit dem Duftstreifen in der Hand, wird soooo lang und will dieses "Enfant terrible" ganz schnell wieder los werden...

Seit einigen Jahren beobachte ich dieses Phänomen der geruchlichen Ablehnungen des Geraniumduftes  bei Menschen, die beruflich sehr stark in Kontakt mit anderen Menschen stehen, wie z.B. im pflegendem bzw. betreuendem Wirkungsfeld.
Am Anfang waren es nur zufällige Beobachtungen. Als aber eine gestandene Fachfrau zum Geraniumduft folgendes Bild aufs Papier brachte,

 wollte ich mehr wissen.

Auch diese Bilder gibt es zum Duft des Geraniumöles: fröhlich, lebens- und farbenfroh...
Hier von jungen Menschen am Beginn einer möglichen pflegerischen Laufbahn und mit noch nicht so intensiven Kontaktsequenzen, d.h., mit der Möglichkeit, sich immer wieder aus Situationen zu lösen.


...und etwas "gedämpfter", diese Bilder:



Meine Beobachtungen aus den namenlosen und damit unbekannten Duft-Begegnungen:
  • Die Favoriten sind vorrangig Zitrusöle, die frischen eher zitronigen (weniger die "süßlichen") Noten, aber auch "kräftige Durchatmer", wie z.B. Rosmarin (Cineol), Cajeput usw. kommen gut an. 
  • Der Lavendel ist in der Duftbeliebtheit eher ambivalent. Selbst in Mischungen, "stinkt" er heraus, wenn er "das Duftproblem" ist
  • Bei den Schmeichel-Düften liegen meist Benzoe und Tonka vorn, die Vanille schneidet nicht so gut ab.
  • Die blumigen oder sehr erdigen Düfte lassen die Begeisterung auch eher nicht überschäumen. 

Ausnahmen gibt es natürlich in allen Duftrichtungen, denn die individuelle Wahrnehmung ist die Unbekannte, die Unvorhersehbare und die Unberechenbare in diesen Duftbegegnungen

Damit Aromapflege auch für die Beschäftigten - die Akteure im Pflegeprozeß - olfaktorisch gesundheitsfördernd gelingt, ist die (ihre) Nase, als unterstützender Stimmigkeits-Koeffizient von erheblicher Bedeutung.

Anmerkung: 
Mir ist wichtig, dass meine Beobachtungen nicht als wertende oder festlegende Aussage angesehen bzw. verstanden werden. Es geht mir um ein Duftreaktions-Phänomen, beobachtet in einem bestimmten Kontext und ich möchte anregen zu schauen und zu überprüfen, was an dieser "These" dran sein könnte und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten, um unterstützende gesundheitsfördernde Möglichkeiten zu entwickeln. Die Annahme dabei ist, dass die Ablehnung eines Duftes den  Hinweis auf ein bestimmtes individuelles "Stresspotential" in sich trägt. Das hat Relevanz für die Interaktion zwischen Betreuenden und  Betreuten. Beide sind über den Duft und dem durch ihn auslösenden "Gefühltem" verbunden - in der Technik spräche man von einem (geschlossenem) Regelkreissystem...

Über Rückmeldungen, eigener Beobachtungen, würde ich mich sehr freuen.






Kommentare:

  1. Hallo Christine,

    Eine so vehemente Ablehnung konnte ich bis jetzt noch sehen bei meinen Kunden oder Freundinnen.
    Ich habe eine Nachbarin die bestellt immer wieder mal ein Geranium Öl bei mir. Sie liebt es. Selbst ich habe vor 13 Jahren das Geranium Öl für mich entdeckt ich hätte mich hineinlegen können, hatte es überall angewendet aber hauptsächlich in der Gesichtspflege bei meiner fettigen Haut. Ich lasse auch gerne Menschen an der "normalen" Pelargonium graveolens(aus Ägypten) und an der Bourbon Geranie riechen alle entscheiden sich für die Bourbon Geranie, da sie nicht so spitz und frech riecht, sie ist einfach runder und feiner.

    Welche Geranie hattest du der Person gereicht? Ich selbst finde dass mich die Pelargonum aus Ägypten auch eher aggressiv macht. Ich hatte sie mal in einer Duftlampe bei einem Spieleabend, (ich dachte eigentlich so für ein harmonischen Ablauf des Spieles da wir fast immer zu streiten Anfangen bei einem Spiel :-/(Ruth von Braunschweig mal in einem Seminar erwähnt Geranium wäre ein Öl für gute Gespräche) der Schuss ging leider nach hinten los, es wurde sogar richtig aggressiv, ich hatte die Duftlampe dann wieder ausgemacht und die Situation wurde wieder besser.
    LG Sabine

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    1. Liebe Sabine,
      ich hatte die Bourbon Geranie auf dem Duftstreifen. Mit der Pelargonium graveolens aus Äqypten habe ich noch keine Erfahrung sammeln können, allerdings mit einer aus China. Diese ist im Duft etwas weniger "rosig" und wird manchmal eher akzeptiert, als die Bourbon. Es ist so interessant zu erleben, wie "Winzigkeiten" in den Duftnuancen, die Reaktionen merklich verändern können.
      Ich selbst mag die Geranie, vor allem als Hintergrund in Mischungen, sie machts gut rund.
      Vor vielen Jahren (am Anfang meiner Ölereise), blieb auch mir eine Geranium-Erfahrung nicht erspart: War etwas niedergeschlagen und suchte in der Literatur nach einer guten Mischung, damit ich mich schnell wieder besser fühlen konnte. Hat auch geklappt, es wurde Geranie empfohlen und ich stand bis zu den Knien im "Wasser". Na ja, genau dass was ich (nicht!) wollte... So viel zur Schlagwort-Suche in der Literatur...
      Aus heutiger Sicht passte es gut, da hatte sich kräftig was angestaut und die nette Geranie hat einfach das Sicherheitsventil geöffnet.
      Die Empfehlung als Kommunikationsöl ist mir auch bekannt, allerdings zusammen mit Grapefruit, da hat es bis jetzut recht gut geklappt.
      Liebe Grüße
      Christine

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  2. Hallo liebe Christine,
    also für mich war das Öl jahrelang ein absolutes No-Go, in der Zwischenzeit habe ich mich daran "gewöhnt" und kann es auch schon mal in einer Mischung gut einsetzen, wenn es passt. Besser wurde es, als ich mich mit der Familie der Duftpelargonien von der Botanischen Seite her beschäftigt habe. Ich hab auch mal einen Artikel darüber geschrieben, er steht auf der Seite der ÖGwA. Wenn es Dich interessiert, schick ich ihn gerne (oder ich stell ihn in meinen Aromablog, dann können ihn auch andere lesen)...
    Alles Liebe,
    Ingrid

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    1. Liebe Ingrid,
      vielen Dank für den sehr interessanten Artikel. Das Verwirrspiel mit den Bezeichnungen macht ganz schön kirre. Gebe den Link zu Dir hier an: http://aromaexperten.at/duftpelargonien-und-ihre-verwandtschaft/
      Es lohnt sich reinzuschauen.
      Vielleicht braucht das Öl auch einen perfekten Zeitpunkt, um sich in seiner vollen Schönheit zeigen zu können... Es ist so vielschichtig, dass man es nie ganz kennt und immer wieder überrascht wird.
      Liebe Grüße
      Christine

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  3. Liebe Christine,

    jeder Mensch hat ein individuelles Empfinden und wie wir wissen, wecken Düfte Reaktion, Erinnerungen und Emotionen. So würde ich nie ein Bild das festlegende oder wertende Aussage sehen.

    Erst gestern auf dem ersten norddeutschen Aromapflegekongress habe ich über die Kreativität im Zusammenhang der Bindung zwischen Mensch und Pflanze gesprochen. Diese Bilder können mit der entsprechenden Fragetechnik und Methodik eine Brücke zwischen Betreuer und Betreuten sein. Das hast Du ja auch geschrieben. Ich halte es so wie ich von Heinz Büchli gelernt habe. Intuitive und kreative Menschen haben eine feine Nase für andere Menschen ;-). Liebe Grüße, Tina

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    1. Liebe Tina,
      Duft und Empfinden, das sind die beiden "Unberechenbaren". Sie haben ihre eigene Interaktion und entziehen sich jeglicher materiellen objektiven Regel. Der bildhafte Ausdruck eines kommunizierenden Duftes vereint tatsächlich beide Seiten, das "Wesensprofil" des Duftes und die Wahrnehmungswelt des Duftempfängers. Die Bilder sind über einen längeren Zeitraum, zufällig im erwähnten Kontext entstanden. Die Beobachtungen ließen Ähnlichkeiten erkennen, die sich in Gesprächen bestätigten. Es bleibt spannend und wer weiß, was sich duftkommunikativ noch zeigen mag.
      Dein Leitspruch gefällt mir, er ist sehr weise.
      Liebe Grüße Christine

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  4. Wow, so lange Kommentare gab es hier ja noch nicht. Vielen Dank an Euch, dass ist toll und sehr spannend.

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