Freitag, 20. April 2012

Nachdenkliches aus Zugehörtem


Die längst überfällige  Anerkennung und Wertschätzung des  Beschäftigungsfeldes der Altenpflege und ihrer unermüdlichen Akteurinnen und Akteure  durch  Gesellschaft und Politik könnten viel bewegen. 
Es wäre gleichermaßen Respekt und Akzeptanz an das Alter und an die Menschen. 
Das Alter und der/die Alternde sind etwas, das in der Regel, mit 100%iger Sicherheit, jeden von uns lebend ereilt. 
Ganz gleich, wieviel „jung und dynamisch“ im Moment da ist, eines Tages ist es „alt und leistungsgemindert“.

Die beLOHNung von Beschäftigten  an den Bändern der Autohersteller und die derer, die in der Altenpflege tätig sind, spiegelt die gesellschaftliche Wertschätzung  sehr deutlich wieder. 

Wir lieben nun mal Autos, mit denen kann man so richtig aufleben und sich sehen lassen, außerdem sind sie nützlich. Autos herzustellen ist ein Wertschöpfungsprozess, der sich effektiv und gewinnbringend vermarkten lässt.  Autos sind chic und gewollt…

Altenpflege und Autos  fangen beide mit „A“ an, jedoch es liegen Welten dazwischen.

In der einen Arbeitswelt eine gute Bezahlung, geregelte Arbeitszeiten, klare Arbeitsaufgaben und Arbeitsgebiete, Arbeitsbedingungen die arbeits- und gesundheitsschutztechnisch durchgestylt sind, um physische und psychische Belastungen für die Beschäftigten so gering wie möglich zu halten.               
In der Regel saubere und olfaktorisch freundliche Arbeitsbedingungen. 

Die Hände berühren Teile aus Metall, Kunststoff… - unbelebtes und  unbeseeltes  Material...
Gesellschaftliche Anerkennung: Ohh, sie arbeiten bei … am Band und stellen Autos her…?

In der  anderen Arbeitswelt eine bescheidene Entlohnung, flexible Dienstpläne, da Ausfälle sofort kompensiert werden müssen, Multitasting-Arbeitsaufgaben und –gebiete, Arbeitsbedingungen mit hohen physischen und psychischen Belastungen, der „Arbeitsort“ beinhaltet u.a. das Unsaubere,  das olfaktorisch Belastende und das Vergehende. 

Die Hände berühren Menschen mit Befindlichkeiten,  Bedürfnissen und   Gefühlen… lebendiges und beseeltes „Material“, das unter die  Haut gehen kann. 
Gesellschaftliche Irritation: O(!), sie arbeiten in der Altenpflege, das  könnte ich nicht!

…und dabei zeigen uns unsere Nachbarländer, wie es auch gehen kann. … vielleicht nur eine Frage der Einstellung, jedes Einzelnen von uns,  zu Lebenskultur und zum Leben überhaupt?


Eine  Kommunikation und deren  ungewollten Wirkung zu beobachten, konnte lehrreicher nicht sein. 
Das Ziel, die Zuhörer zu gewinnen ihre Vorstellungen  einzubringen, ging dabei so kräftig „in die Hose“. Plötzlich standen sich gegnerische Parteien gegenüber. 
Gelungen war dies durch provozierende „Motivation“, "um sich doch den eigenen Anteil an Situationen mal anzuschauen…"  

Die nachfolgend geänderte  Kommunikation, mit  einer wertschätzenden Annahme, dessen was ist und der dazugehörigen  Menschen, hatte einen verblüffenden Effekt. Plötzlich konnte das „eigene „Eingemachte“ ohne Infragestellung der Personen besprochen werden… 

Sehr aufschlußreich.

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