Samstag, 10. Dezember 2011

Wahrnehmung – zufällige Wahrheit?

Ich habe überlegt, ob dieses Thema hier in diesem Blog  passt und ich denke, es passt.

Vor einiger Zeit erlebte ich eine interessante Situation. Ich war mit Freunden unterwegs. Auf einem kleinen Parkplatz luden wir Dinge aus dem Auto aus und brachten sie  ins Haus. Als ich im Treppenhaus war, hörte ich die Kirchenglocken läuten. Es war abends um 6. 



Das Läuten war schön, laut und dauerte ca. 5 min. Meine Freunde standen noch  auf dem Parkplatz, dieser ist ca. 50 m von der „Läutquelle“,  einer kleinen Kirche, entfernt. Es war stockdunkel und absolut still ringsherum - außer dem Läuten der Kirchenglocken war nichts.

Als wir wieder im Auto saßen, fragte ich: "Habt ihr das gehört?" Ein erstauntes „Was, meinst du?“ war die Antwort. ...“ Na, das Läuten! ... Nein haben wir nicht gehört, aber wenn du es jetzt so sagst, irgend etwas war da…“ Die beiden Freunde waren, zum Zeitpunkt des Läutens, nicht mit einem Gespräch abgelenkt.

Nach diesem Erlebnis frage ich mich, was nehmen wir wirklich wahr, wenn wir von Wahrnehmung sprechen.  Das bewußte Wahnehmen, ist sehr individuell, das unbewußte Wahrnehmen offensichtlich nicht.

Drei Menschen in einer Situation, die für alle „objektive“  reale Elemente enthält: Parkplatz, Kirche, Läuten, Uhrzeit (18:00-18:05), Stille, Dunkelheit … und jeder hat diese Situation anders erlebt und wahrgenommen!

„Die richtige“ Wahrnehmung, ist sie wirklich wahr? ...denn erst das, ins Bewusstsein des Menschen gedrungene, macht für ihn ein Ding wahr oder nicht.
Aus bewusster  Wahrnehmung wird Wahrheit. Der innerpersönliche „Filter“ spielt dabei eine nicht  zu unterschätzende  Rolle.

In der Duftwahrnehmung tritt  dieses Phänomen sehr deutlich  zu Tage und führt manchmal zu Unverständnis, wenn ein „so gutes und hilfreiches ÄÖ“ nicht gemocht wird – es ist sein Duft, der das „Problem“ sein könnte. Wer weiß schon welche Gefühle und Situationen unbewusst in unserem Geruchsgedächtnis gespeichert sind…


PS: Herzlichen Glückwunsch an Sabrina Herber-Schmieden zu ihrem gelungenen neuen ViVere Shop - Rund um die Aromapflege.

Kommentare:

  1. Liebe Christine,

    danke für Deine Verlinkung. Ich bin sichtlich gerührt und überrascht.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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  2. Ein interessanter Gedankenansatz.
    Ich denke, ich hätte das Läuten gehört, schummrig, Adventszeit - aber wer weiß. Es kommt auch darauf an, ob man grad gedanklich mit irgend etwas beschäftigt ist, ob man im Stress ist oder nicht.
    Ich denke da auch an Menschen, die kaum filtern können, die alles wahrnehmen, was um sie herum passiert.
    Was die olfaktorische Wahrnehmung angeht - da bemerke ich in letzter Zeit, dass ich viele Gerüche wahrnehme, auch anders wahrnehme als früher, bevor ich mich mit den wunderbaren ÄÖ´s beschäftigt habe. Ich wundere mich oft, wie oft ich über Duftwahrnehmungen spreche meine Umwelt auf Gerüche/Düfte aufmerksam mache, die dann "oh ja, wo du es sagst" antworten.
    Es gäbe viel zu schreiben über dieses Thema.
    LG Heidi

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  3. sehr spannend, passt zum artikel eines neuro-professors im spiegel, das ich dieser tage las, der sagt, jeder kontruiert sich seine wirklichkeit und wahrheit, darum seien zeugenaussagen vor gericht sehr, sehr unzuverlässig und unterschiedlich. aber schon interessant, wie man sowas lautes wie kirchenglocken nicht hört. oder hats du sie dir vielleicht 'eingebildet'??? ;-)

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  4. Oh, da kommt frau ja in Erklärungs- und Beweisnot, noch dazu, wenn zwei Leute nichts gehört haben...Also, mit meinem tiefsten Brustton der Überzeugung teile ich hier offiziell mit; meine innere Einbildungsabteilung war geschlossen, es war 100% "eingehört".
    Die vier Fragen von Byron Katie:
    1. Ist die Vorstellung wahr?
    2. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
    3. Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken glauben?
    4. Wer wären Sie ohne diesen Gedanken?
    (aus Wikipedia)
    beschreiben das Prozedere der "Wahrheits-Konstruktion" sehr treffend. Watzlawick's Hammer-Borger zeigt gut wie es endet...
    Der Stoff aus dem unsere Realität ist, ist wirklich einzigartig und faszinierend und hat auch viel Gutes: man muß nicht alles glauben, was man/frau hört, denn es könnte "eingebildet" sein...

    Die olfaktorische Wahrnehmung lebt mit und aus unserer "inner-häusigen" Welt und zeigt mehr von uns, als gesprochene Worte.

    Ich kann es nur bestätigen, seit dem Umgang mit ÄÖ hat sich die Riechwahrnehmung gut geschult...

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