Dienstag, 20. September 2011

Die wilde Möhre - Teil 4 - Das Mysterium der Mohrenblüte






Mohrenblüten - Variationen
Mitten im Zentrum der Blütendolde wächst eine andersartige und -farbige Blüte, rot bis fast ins schwarz reichend aber immer mit einem Anteil von Purpur. Sie hebt sich ab von der „Unschuld“ der weißen Blüten. Sie zieht den Blick auf sich und nicht nur das, es rangen sich auch Legenden um sie. Ihr Geheimnis, hat sie nicht vollständig gelüftet. Die plausibelste Erklärung: sie lockt die Insekten an und dient ihnen, wie die Markierung auf dem Hubschrauberlandeplatz, für ihre Landung, Eine weitere Variante ist u.a. der „Bluttropfen Jesus“ (Storl). Da es nicht nur Blütendolden mit „Mohrenblüte“ gibt, sondern auch welche ohne und das ist der größere Teil (womit werden die Insekten denn hier „aufgefordert“ zu landen?) gefällt mir doch die Geschichte aus Siebenbürgen, die Wolf-Dieter Storl in seinem Buch „Die Seele der Pflanzen“ zum Besten gibt: Die Purpurblüte steht für die „Treue“ und „Ehr“ der Mädchen. Ist die Blüte vorhanden, dann haben die Mädchen in dieser Gegend „gut Ehr“ und „Tugendhaftigkeit“. Das wäre also auch eine Erklärung …und mein Blick wurde schärfer beim Schauen, nur was ich entdeckte machte mich nachdenklich … weiße Blüten überall…


aber intensives Suchen ließ dann endlich auch wieder mit Mohrenblüten bestückte Blüten entdecken…früher wären diese Mohrenblüten angeblich  größer  gewesen…



Irgendwo in der Literatur hatte ich gelesen, dass die Mohrenblüte eine sterile Blüte sei. So richtig konnte ich mir darunter nichts vorstellen, bis ich durch Zufall auf einer Aufnahme (Blick in das Vogelneste hinein), diese Blüte entdeckte,
 

Die sterile "Mohrenblüte" im Vogelnest
die getrocknete ursprüngliche Blüte – ohne Frucht. Ihre Schönheit u. Farbigkeit sind noch zu ahnen. 

Die befruchteten Blüten: Früchte im Vogelnest



... und im Aussen
Alle weißen Blüten um sie herum, haben sich „ordnungsgemäß“ in Früchte verwandelt: In diesem Zusammenhang muß ich daran denken, dass Karottensamen früher (bis heute) als natürliches Empfängnisverhütungsmittel bekannt war. Die Einnahme der Samen sollte die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut verhindern. Mit anderen Pflanzen zusammen war die wilde Möhre als „Periodenmittel“ bekannt. Hatte sich die Periode verspätet oder war „überfällig“ sorgten diese Mittel dafür, dass der Periode auf die „Sprünge“ geholfen wurde. Die Frauen wußten damit nicht, ob sie schwanger waren oder ob nur eine hormonelle „Verspätungsstörung“ vorgelegen hat…, sie empfanden damit nicht den Druck und die seelische Belastung, denn es wurde vorher keine Schwangerschaft „getestet“ …zu diesem Thema hat Birgit Seyr:“ Mit Pflanzen verhüten“ sehr interessantes geschrieben.
Der Samen (für die Frauen) zur  Verhütung und das Kauen der Wurzel der wilden Möhre  (für die Männer) zur Stärkung der Lenden,  Lenz  und das Feuer in ihnen (wieder) erwecken.
… und das alles in einer Pflanze -  für beides gut gesorgt. Der Hase mit Möhre…als  Rätselfrage. 
Karottensamenöl ist für Schwangere, mit diesem hormonellen Hintergrund, nicht geeignet.

Freitag, 16. September 2011

Die wilde Möhre - Teil 3 - Wer ist diese faszinierende Schönheit?


Nun sind mittlerweile die wunderschönen Blüten der Wilden Möhre (Daucus carota ssp. carota) verblüht. Die Insekten haben ihren Job gut gemacht, sie haben das Sich-Öffnen und Hingeben der Blüte angenommen. Sie sammelten süßen Nektar und bewirkten damit, dass die fruchtbringende Phase beginnen konnte. Wenn dieser Akt des Kontaktes erfolgt ist, wölbt sich die Blütendolde nach oben zusammen. Die Doldenstrahlen und die Hüllenblätter bilden ein schützendes „Vogelnest“, einen „Kelch“ oder eine „(Erd)Kugel“ in denen die Samenfrüchte heranreifen können.


Ganz gleich, wie man diese Form bezeichnen möchte, entscheidend ist die zentrierende Bewegung in dieser Phase der Zusammenballung. Dieses Phänomen ist in der hiesigen Pflanzenwelt relativ einzigartig.


Da die Doldenstiele auf Feuchtigkeit (hygroskopisch) reagieren können, schließt sich die Dolde, über ihren Wasserhaushalt, zum schützenden „Nest“. Im Laufe des Biorhythmus zieht sich das Wasser in ihr zurück und die Trockenheit nimmt den Platz ein. Übrig bleiben trockene braune Stengel mit Nestern. Die Doldenstiele, spreizen sich durch die Trockenheit auseinander und geben die Samenfrüchte frei.


Wer ist sie eigentlich, diese wilde faszinierende Schönheit? Wie wächst sie, was ist für sie charakteristisch?


Wolf-Dieter Storl nennt sie die „Lichtpflanze der Urgöttin“
Die wilde Möhre ist eine zweijährige Pflanze. Sie kann ihre Pfahlwurzel  bis zu 80 cm tief in die Erde treiben und sich im Gegenzug bis zu ca. 120 cm in den Himmel strecken.  
Ist ihr Terrain nicht so freundlich, begnügt sie sich auch schon  mit einer ca. 20 cm Präsentation.
Sie ist in der Lage ca. 4000 Samen/Pflanze hervorzubringen. Dieser Samen kann mehrere Jahre (angeblich bis zu 10 Jahren) in der Erde auf seinen „Auftritt“ warten. 

In der Landwirtschaft wird sie als „formenreiches Samenunkraut“ betrachtet, das den Ertrag stark mindert und die Erntetechnik stört. 
Eine Frage des Betrachtungsstandpunktes…

In ihrem ersten Jahr bildet die Wilde Möhre, zur Stabilität und zur erhöhten Speicherkapazität der kosmischen Lichtkraft, eine kräftige Pfahlwurzel aus, die auch "vierteilig" sein kann, wenn es der Standort erfordert.


Im zweiten Jahr, dem Jahr der Blüte und Fruchtbildung "verkümmert" die Pfahlwurzel, wird zäh und fest, da die ganze gespeicherte Kraft für die Blüte hergegeben wird.

Die Wilde Möhre ist eine sonnenhungrige und wärmeliebende Pflanze. Sie scheint  sich noch gut an ihre ursprüngliche Heimat, dem Mittelmeerraum und asiatischen Raum, erinnern zu können.

Ich habe beobachtet, dass die Wilde Möhre überwiegend auf halbtrockenen, kargen, aber auch auf lehmartigen Böden wächst. Pralle Sonne sowie ungastliche Standorte scheinen ihr nichts auszumachen. 
Ob entlang einer Bahnstrecke oder an Straßenrändern, auf brachliegenden Weideflächen, Ödland (Ruderalstellen), in mitten einer Wiese oder eines Feldes - die Wilde Möhre ist da.
Gern steht sie mit Ihresgleichen zusammen und mag  in Sichtweite, die Schafgabe, die Wegwarte, die Königskerze und den weißen Steinklee als Nachbarinnen/Nachbarn. 



Manchmal macht sie sich richtig groß und überragt alles um sich herum, ein anderes Mal duckt sie sich, um in unfreundlicher Umgebung nicht allzusehr aufzufallen.



Sie ist eine Pionierpflanze, lässt  jedoch den Einjährigen den Vortritt und wirkt aus der zweiten Reihe heraus.

Fährt man mit dem Daumen ganz leicht über ihren Blütenschirm, so ist als ob man Samt berührt, ein wunderbares Gefühl. Sie hält einem gewissen Druck stand und gibt ihre verführerische Blüten-Samtigheit nicht auf.


Diesen gleichen Effekt nahm ich auch beim Berühren des Inneren  des "Vogelnestes" wahr, samtig, weich und trotzdem mit Festigkeit. 


Zieht man eine Querverbindung zu ihrer straffenden und pflegenden Wirkung auf die Haut, so weist sie schon mit sich selbst darauf hin.  
Sie hinterlässt im doppelten Sinne einen bleibenden  Eindruck und ein angenehmes Gefühl in der Berührung. … und sie hat mich berührt.

Schaut man sich die Wilde Möhre an, so fallen ihre vielen stachligen Härchen an Stengel und Früchten, ihre Antennchen selbst noch im Fruchbildungsprozess sowie Ihre „spitzen“ fünf- und dreifach gefiederten Blätter, um die Blütendolde bzw. um die Blütendöldchen herum, auf. (In der Technik würde man von einer Vergrößerung der Oberfläche sprechen, für die Aufnahme oder Abgabe von etwas.) Eine sehr  große, feine und zarte Kontaktfläche zur Aussenwelt …  unsere Haut ist unsere Kommunikations- und Kontaktfläche nach Aussen…

Im Zentrum des weisen Blüten-Sternen-Meeres, hebt sich eine  geheimnisvolle purpurrote bis tiefschwarze  Mittelblüte ab, jedoch manchmal fehlt sie auch, diese „Mohren-Blüte“. Sie war es, die  den Namen der „Möhre“ oder „Mohrrübe“ gab.


Die Anzahl der weißen Blütenblättchen bilden die Zahl 5, die mystische Zahl der Venus.
Ich schnitt einen Stengel der wilden Möhre ab und war verblüfft, welchen intensiven  Geruch diese Schnittstelle verströmte - das reinste Karottensamenöl.

In der Phase des Fruchtbildungsprozesses erinnert das „Samenkörbchen“ an eine Frauen-Fußballmannschaft, die, in der Verlängerungspause auf dem Feld, ihre Köpfe  zusammenstecken, sich schützend umarmen, sich im Verborgenen besprechen, wenn alles klar ist sich wieder öffnen und weiter geht’s mit neuer Orientierung zum Ziel


Karottensamen sind einsamige Teilfrüchte, die aus reifen zweiteiligen Spaltfrüchten (Doppelachäne) hervorgegangen sind. 
Auffällig sind die Form und das Borstenkleid. Vier Reihen je Frucht sind es.


 


Eine Assoziation zu Läusen ist nicht von der Hand zu weisen.  

Da in der Literatur immer wieder ein Bezug zur Leber beschrieben wird, fällt mir dazu nur ein, "Eine Laus über die Leber gelaufen...". 


Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Karottensamenöl "dieser Laus" ordentlich einheizen und richtig wütend und aggressiv begegnen kann, da mag keine "Laus" mehr bleiben, nicht mal in der Nähe! Es bringt tatsächlich Licht in die „zugebuddelten“ Ecken und macht sichtbar, was "drückt".

Das Borstenkleid, erinnert mich an lange schwungvoll gebogene Wimpern.

 

Wenn das trockene, durchscheinende, pergamentartige Häutchen entfernt ist, kommt eine feste "Samenfrucht" hervor. Ihr Geschmack erinnerte mich an das ÄÖ Kardamom, mit einer gewissen Schärfe auf der Zunge. 

Es geht weiter... 

Sonntag, 4. September 2011

Die wilde Möhre - Teil 2 - Das "Lichtpflanzen-Prinzip" der Doldenblütler

Die Wilde Möhre, ihres Namens Daucus carota ssp. carota (unsere Speisemöhre ist die Daucus carota ssp. sativus oder Daucus sativus), gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae). Ihre Blütendolde ist eine Doppeldolde, wie sie auch bei anderen Mitgliedern ihrer Pflanzenfamilie anzutreffen ist.
Doppeldolde (Dolde und Döldchen, Hülle und Hüllchen)

 Eine  Familie, mit einer reichen Vielfalt an nahrhaftem  Gemüse (Karotte, Sellerie u.a.) und hilfreich  intensiven  Gewürzen (Fenchel, Kümmel, Anis, Koriander, Dill u.a.)

Koriander


Dill


aber auch einer stattliche Anzahl von Giftpflanzen wie z.B., dem Schierling (das bekannte Gift im „Schierlingsbecher“).

Dieses einzigartige „Angebotsspektrum“ bringt  keine andere Pflanzenfamilie hervor.


Neben dem auffallenden Gestaltungsreichtum der Blätter, die in  mehrfach gefiederte und gegliederte Formen bis hin zu feinen Blattfäden in Erscheinung treten,

Korianderblätter (untere)

Korianderblätter (obere)

Dillblätter

Blattwerk der wilden Möhre

ist den Doldenblütlern  etwas Besonderes zu eigen, sie sind „Pflanzen des Luftigen und des Lichtes“.                                     
Mit ihren mehr oder wenig dicken Pfahlwurzeln finden sie in der Erde Halt.


Pfahlwurzel der wilden Möhre

Die Zuordnung zum Luftelement drückt sich in ihrer Fähigkeit aus, in  hohlen Stengeln, in hohlen Samen und manchmal auch in hohlen Wurzelstöcken Luftiges einzuschließen.

Hohler Dillstengel

Es ist ihr charakteristisches Prinzip,  die kosmische Lichtenergie und die Luft über die  feingliedrigen Fiederblattspitzen, die sich wie Antennen nach oben strecken, tief in sich hinein, bis in die Wurzel, zu saugen, um sie darin  zu speichern. Nach dieser „Erdung“ der Lichtkraft und einer zeitlichen inneren „Reifung“, schießt der Spross zielgerichtet nach oben und bringt die ganze Wurzelkraft zur „Blüte“ und zum „Erfolg“ (Frucht/Samen).

 Koriander: Blütendolde

Koriander: Früchte

Koriander: Frucht mit Samen (Schnitt)



Dill: Blütendolde
Dill: Früchte(Samen)

Bei der Wilden Möhre ereignet sich eine wahre „Blüteneruption“, das geerdete, verwurzelte Luftige und Lichtvolle wird sichtbar.

Blütendolde der wilden Möhre

Strahlend erblühte wilde Möhre

Somit kennt die wilde Möhre beide Pole und hat sie durchlebt, dass Helle und das Dunkle. Das Licht wird in die Dunkelheit gebracht, durchleuchtet und durchflutet sie  und das Dunkle wird ein Jahr später wieder zurück ans Licht gebracht. Ein interessantes Phänomen.

Interessant vor diesem Hintergrund ist, dass in dieser Pflanzenfamilie, viele „Verdauungsmittel“ zu finden sind.
In seinem Buch: „Mit Düften heilen“ verweist Marcel Lavabre darauf, dass Doldenblütler eine Affinität zum Verdauungssystem besitzen. Sie bringen vor allem „Licht“ ins Gedärm, schaffen  dort wieder Ordnung, räumen auf und bringen Parasitärem das „Laufen“ bei, sowie auch gestaute Luft ihren Weg wieder findet. 
Dem Sekretions- und Drüsensystem sowie den Atmungswegen sind die Doldenblütler freundschaftlich gestimmt.

Lavabre erwähnt zudem Robert Tisserand, dieser weist darauf hin, dass bei Ratten eine Regeneration des Lebergewebes durch die ätherischen Öle  der  vier Doldenblütler-Samen   (Kreuzkümmel, Fenchel, Sellerie und Petersilie)  festgestellt wurde.

Fortsetzung folgt...