Montag, 15. August 2011

"Esoterische Aromatherapie" und duftfreie ÄÖ


Um etwas über das Karottensamenöl (Daucus carota) nachzulesen (ein Teil meiner gefalteten Oberflächenstruktur ruft nach Entfaltung), habe ich u.a., das Buch „Aromatherapie“ Wabner/Beier (Hrsg.) Urban & Fischer Verlag 2009 1. Auflage,  zur Hand genommen.

Das Ergebnis (zum Karottensamen) war nicht sonderlich ergiebig aber dafür bin ich im 1.Kapitel hängengeblieben. 

Hier sind interessante Aussagen  zu finden. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist eine Kernaussage, dass „ Aromatherapie keine alternative Therapieform…“  und „…keineswegs ein ganzheitliches System, sondern ein Teil der allopathischen westlichen Medizin ist.“ (vgl. S.3) eine „rationale Therapie“ (vgl. S.1)

Alles was „schwingend“ und als „feinstofflich“ dargestellt wird, was sich auf die „Seele der Pflanzen im ÄÖ“ und die „energetische Qualität“  bezieht, auf die „alchemistische Transformation“ beim Destillationsprozess verweist, „Biophotonen“ und „ganzheitliche Heilweise“ erwähnt und sich bezieht usw. ist keine Aromatherapie, sondern eine Art von „esoterischer Aromatherapie“ (vgl.  S.2/3) und ist somit Esoterik.

Wenn all dies als unwissenschaftlich und damit als nicht relevant betrachtet wird, heißt das, das ÄÖ auf ihr chemischen Wirkspektrum versachlicht und reduziert werden.
Nach meiner Erfahrung sind sie jedoch mehr. Das Risiko damit eine „Eso-Tante“ zu sein, gehe ich gerne ein (Esoterik von altgriechisch esōterikós: „innerlich“, ist im Ursprünglichem, eine philosophische Lehre, die nur einen begrenzten "inneren" Personenkreis zugänglich war.) http://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik

In diesem 1. Kapitel wird auch darauf hingewiesen, dass „die starken emotionalen Wirkungen der ätherischen Öle und Düfte“  „die Aromatherapie der Ganzheitlichkeit“ näherbringen. (vgl.  S.3)
Mir stellt sich die Frage: Ist der Geruch des ÄÖ nicht eigentlich relativ „neutral“, wenn es kein Gegenüber hat? Braucht es zur Emotionalisierung nicht erst eine innerpersönliche Erfahrungswelt? Die Wahrnehmung und die Reaktion auf einen Duft sind im  persönlichen, erlernten und kulturell-sozialen Kontext eingebunden.
Es sei denn es handelt sich um Warngerüche, die wir „genetisch gespeichert“ haben.

Die Pflanzen mit ihrem Duft gehören schon immer zu unserer Wahrnehmung- und Lebenswelt. Über Duftreize, ob von Pflanze oder ÄÖ, werden wichtige Informationen weiter gegeben.
In der Aromakultur und in der Heil-Kunst-Kultur („Heil“ im Sinne von Ganzsein, Heil-ig) sind der Duft, das Wesen der Pflanze, der Glaube daran und das Eingebunden sein in heilige rituelle Handlungen, die potentiellen Wirkfaktoren.

Einen spontanen „Aufreger“ erlebte ich vor einigen Jahren über eine Äußerung zur Aromatherapie von Ferdinand Storp (Geruch & Gefühl Eine Empirische Studie über den Einfluß von olfaktorischen Reizen auf Emotionen, Inaugural-Dissertation von Ferdinand Storp, München; drom fragrances international, Baierbrunn, 1997).
Ich zitiere das, was mich damals empörte: „ Doch im direkten Vergleich (Anm: Storp bezieht sich auf enorme Wirkungen der Duft- und Heilzeremonien in den Anden oder in Südamerika) erscheint die heutige Aromatherapie wie eine seelen- und kraftlose Kopie, der wesentliche Bestandteile des Originals abhanden gekommen sind. Das Aufkommen der Aromatherapie spiegelt eher die Sehnsucht einer weitgehend aufgeklärten Menschheit nach ein wenig Irrationalität und nicht den Wunsch nach wirklicher Spiritualität wieder. Die Industrienationen haben sich zu weit von den historischen Wurzeln der Duftanwendung entfernt, um den Düften und ihren Wirkungen jemals wieder einen ähnlich hohen Stellenwert einräumen zu können.“ (vgl. Storp, 1997, S.27)

Übrigens, ich bin darüber nicht mehr empört.

Der Duft ist die Dimension, die uns an etwas rückerinnert, rückbindet und gleichzeitig öffnet für unsere Realität. Ein Duft trägt etwas Spirituelles in sich, eine Erweiterung der bewussten Wahrnehmung.
Im rationalen Umgang mit den ÄÖ verliert dieser Aspekt seine Bedeutung und wird „verschenkt“

Ist es sinnvoll, überspitzt gesagt, den ÄÖ zu „untersagen“ zu duften, sollen sie verduften??
Um in der persönliche Wahrnehmung eines ÄÖ dessen Duftes, als „Störfaktor“ auszuschließen, d.h., eine Ablehnung des ÄÖ zu vermeiden, gibt es einige Überlegungen, die ÄÖ über Potenzierungen  geruchlos zu gestalten. Damit könnten es sich geruchlos an der „ Wächterin“ Amygdala vorbeischlängeln, allerdings hat die Nase und die Person selbst, kein Mitspracherecht mehr.


Dass unser Geruchsinn entwicklungsgeschichtlich von großer evolutionärer Bedeutung ist, ist hinreichend bekannt

Ohne Duft erfährt unsere Lebens- und Gefühlswelt eine Reaktionskette von: Geruchlos–Berührungslos-Emotionslos-Motivationslos-Reaktionslos.

Die individuelle Wahrnehmung im Kontakt mit dem Duft des ÄÖ, ist das große Geschenk und die Chance, sich seiner Befindlichkeit bewusst zu werden und aktiv und selbstverantwortlich an dieser Interaktion teilzuhaben. Über den Duft der ÄÖ führt ein sinnlicher Weg  zur BeSINNung.

Wenn ein Mensch einen Duft/Geruch ablehnt hat er einen sehr guten Grund dafür… Ein als unangenehm empfundener Geruch kann  physischen und psychischen „Stress“ verursachen und die Befindlichkeit beeinträchtigen.


Es macht Sinn vor jeder duftenden Anwendung, den Geruchssinn „zu befragen“.

Kommentare:

  1. Liebe Christine, der Duft einer Pflanze will verstanden sein - da stimme ich Dir vollkommen zu. Die wenigsten Menschen haben einen klaren Zugang zu dieser feinstofflichen Komponente der Materie.
    H.G. Monika

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  2. Liebe Monika, das Beachten und Einbeziehen dieser feinstofflichen Komponente hat mit Sicherheit nichts mit der allgemeinen Betrachtung und Praktizierung von Esoterik zu tun. Es ist eine bewusste Wahrnehmung der Dinge und eine gesunde, bodenständige Spiritualität, die in allen Dingen enthalten ist. LG Christine

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