Dienstag, 23. August 2011

Die wilde Möhre (Daucus carota) - Teil 1 - Die "Rose"* unter den Doldenblütlern


Die wilde Möhre hat mich in ihren Bann gezogen. So eine gestalterische Vielfalt, Feinheit, bis ins Kleinste durchdacht und mit himmlischer Hand konstruiert. Ein perfekter und fantastischer Bauplan. In ihrer Harmonie und Vollkommenheit ähnelt sie einer Rose.



Ich weiss nicht, wie viele Fotos ich von ihr gemacht habe, es artete manchmal regelrecht in ein Fotoshooting aus. Meist hielt sie still, manchmal gab sie sich auch einfach dem Wind hin und "verwackelte".


Beim Betrachten der Bilder, entdeckte ich immer wieder Neues, vorher nie wahrgenommens und ich suchte sie wieder auf und fokussierte. Sich über diese Art und Weise einer Pflanze zu nähern, kann sich zu einer Entdeckungs- und Forschungsreise entwickeln, die sich im Sichten der Literatur fortsetzt.

 Da die wilde Möhre nicht nur eine Wiesenpflanze ist, sondern auch ein hervorragendes, wenn auch geruchlich streitbares, Karottensamenöl hervorbringt, ist sie doppelt interessant. Erstaunlicherweise ist über das Karottensamenöl in relativ wenigen Literaturstellen etwas zu finden.

 
Meist geht es von der Kamille zum Lavendel. Vor einigen Wochen hat Eliane Zimmermann in ihrem Blog einen tollen Artikel zum Karottensamenöl geschrieben, mit vielen Rezepturen. Einfach lesenswert und empfehlenswert.

* Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde Bd.I S.79

Fortsetzung folgt...

Freitag, 19. August 2011

Die essbare Tagetes (Tagetes tenuifolia)


Leuchtend gelb, fleißig wachsend, klein aber fein mit einem aromatischem Geschmack von Mandarinenschale, (erinnert tatsächlich daran und auch ein wenig an den Geruch von Intershop, einige werden wissen, was ich meine) etwas bitter und unerwartet scharf auf der Zunge ... so wächst die Tagetes tenuifolia im Garten fröhlich vor sich hin.

Eine Handvoll Blüten abgezupft, dazu reichlich Vogelmiere mitgenommen, ein Salatherz, zwei Tomaten, drei rote Basilikumblätter, etwa schwarzen Pfeffer und Salz, 3 Tr. Zitrone (ätherisches Öl), das ganze mit Olivenöl „geschmeidig“ gemacht und ganz zum Schluß noch etwas Süße vom Ahornsirup dazu gegeben … und die Geschmacksknospen feiern ein Fest, die Nase stöhnt nur noch "Ohhhh…", die Augen schließen sich und ab geht es in den Genuß…

Kennengelernt habe ich die essbare Tagetes zum "Tag der offenen Gärten" in Weimar, als der
Verein „Rapontica – Gemüse und Kräuter der Goethezeit“ e.V., entsprechende Pflanzen anbot.

 
Diese Tagetesart wird auch als Teepflanze verwendet. Die kleinen, getrockneten, gelben Blüten machen sich gut in Teemischungen.

 

Mittwoch, 17. August 2011

Duft-Welten Mix

Ein Link führte mich auf einen z.Zt., in mehreren Journalen veröffentlichen Artikel  von Franziska Baermann Raumdüfte: Limette erfrischt, Lavendel beruhigt


 
(keine Limette, aber frisch)











Ein guter alter Mix: 
Man nehme einen Teil Verbraucherschutz, einen Teil Aromatherapie, einen Teil ätherische Öle, einen Teil Allergie, einen Teil Duftstoffe, einen Teil handelsübliche Produkte und einen guten Teil von Experten. 
Schüttle dies alles, mit Worten und „hat gesagt“, gut durch und schon kann der Leser die Spur, zu den allergieauslösenden ätherischen Ölen aufnehmen… 

Ich vermisse die Differenzierung der Produkte und deren Inhaltsstoffe sowie die Unterscheidung, ob es sich dabei um ein ätherisches Öl oder um einen synthetischer Duftstoff handelt. 
Jeder der Experten hat, aus seinem jeweiligen Spezialgebiet heraus betrachtet und aus den ihm zur Verfügung stehenden Informationen, seine Wahrheit zur Verfügung und in diesem Sinne Recht. Inwieweit dabei tatsächlich zwischen den Sprays, Duftkerzen mit synthetischen Duftstoffen und den Produkten aus 100% naturreinen ätherischen Ölen unterschieden und dieses in der Aussage zur Ursache von Allergien berücksichtigt wird, kommt nicht immer klar zum Ausdruck.

Habe nach den genannten allergieauslösenden ätherischen Ölen, Sandelholz und Ylang Ylang gesucht, „leider“ ohne Ergebnis. 
Nach Price/Price sind selbst bei 10%  Verdünnung bei beiden ÄÖ keine allergischen Reaktionen nachweisbar. 

Wer kennt dazu die neusten Neuigkeiten, sind bei Santalum album (Sandelholz) und bei Cananga odorata (Ylang Ylang) Kontaktallergien bekannt?

Allerdings kenne ich den seifigen Geschmack der Duft-Sauna (Heu, Blüten, Zitronen o.ä.) auf der Zunge - reine Geschmacksache.  Diese Düfte aus den großen Kunststoffkanistern kennen "ihre Pflanzne" meist nur aus der Duft- und Riechstoffproduktion.

Montag, 15. August 2011

"Esoterische Aromatherapie" und duftfreie ÄÖ


Um etwas über das Karottensamenöl (Daucus carota) nachzulesen (ein Teil meiner gefalteten Oberflächenstruktur ruft nach Entfaltung), habe ich u.a., das Buch „Aromatherapie“ Wabner/Beier (Hrsg.) Urban & Fischer Verlag 2009 1. Auflage,  zur Hand genommen.

Das Ergebnis (zum Karottensamen) war nicht sonderlich ergiebig aber dafür bin ich im 1.Kapitel hängengeblieben. 

Hier sind interessante Aussagen  zu finden. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist eine Kernaussage, dass „ Aromatherapie keine alternative Therapieform…“  und „…keineswegs ein ganzheitliches System, sondern ein Teil der allopathischen westlichen Medizin ist.“ (vgl. S.3) eine „rationale Therapie“ (vgl. S.1)

Alles was „schwingend“ und als „feinstofflich“ dargestellt wird, was sich auf die „Seele der Pflanzen im ÄÖ“ und die „energetische Qualität“  bezieht, auf die „alchemistische Transformation“ beim Destillationsprozess verweist, „Biophotonen“ und „ganzheitliche Heilweise“ erwähnt und sich bezieht usw. ist keine Aromatherapie, sondern eine Art von „esoterischer Aromatherapie“ (vgl.  S.2/3) und ist somit Esoterik.

Wenn all dies als unwissenschaftlich und damit als nicht relevant betrachtet wird, heißt das, das ÄÖ auf ihr chemischen Wirkspektrum versachlicht und reduziert werden.
Nach meiner Erfahrung sind sie jedoch mehr. Das Risiko damit eine „Eso-Tante“ zu sein, gehe ich gerne ein (Esoterik von altgriechisch esōterikós: „innerlich“, ist im Ursprünglichem, eine philosophische Lehre, die nur einen begrenzten "inneren" Personenkreis zugänglich war.) http://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik

In diesem 1. Kapitel wird auch darauf hingewiesen, dass „die starken emotionalen Wirkungen der ätherischen Öle und Düfte“  „die Aromatherapie der Ganzheitlichkeit“ näherbringen. (vgl.  S.3)
Mir stellt sich die Frage: Ist der Geruch des ÄÖ nicht eigentlich relativ „neutral“, wenn es kein Gegenüber hat? Braucht es zur Emotionalisierung nicht erst eine innerpersönliche Erfahrungswelt? Die Wahrnehmung und die Reaktion auf einen Duft sind im  persönlichen, erlernten und kulturell-sozialen Kontext eingebunden.
Es sei denn es handelt sich um Warngerüche, die wir „genetisch gespeichert“ haben.

Die Pflanzen mit ihrem Duft gehören schon immer zu unserer Wahrnehmung- und Lebenswelt. Über Duftreize, ob von Pflanze oder ÄÖ, werden wichtige Informationen weiter gegeben.
In der Aromakultur und in der Heil-Kunst-Kultur („Heil“ im Sinne von Ganzsein, Heil-ig) sind der Duft, das Wesen der Pflanze, der Glaube daran und das Eingebunden sein in heilige rituelle Handlungen, die potentiellen Wirkfaktoren.

Einen spontanen „Aufreger“ erlebte ich vor einigen Jahren über eine Äußerung zur Aromatherapie von Ferdinand Storp (Geruch & Gefühl Eine Empirische Studie über den Einfluß von olfaktorischen Reizen auf Emotionen, Inaugural-Dissertation von Ferdinand Storp, München; drom fragrances international, Baierbrunn, 1997).
Ich zitiere das, was mich damals empörte: „ Doch im direkten Vergleich (Anm: Storp bezieht sich auf enorme Wirkungen der Duft- und Heilzeremonien in den Anden oder in Südamerika) erscheint die heutige Aromatherapie wie eine seelen- und kraftlose Kopie, der wesentliche Bestandteile des Originals abhanden gekommen sind. Das Aufkommen der Aromatherapie spiegelt eher die Sehnsucht einer weitgehend aufgeklärten Menschheit nach ein wenig Irrationalität und nicht den Wunsch nach wirklicher Spiritualität wieder. Die Industrienationen haben sich zu weit von den historischen Wurzeln der Duftanwendung entfernt, um den Düften und ihren Wirkungen jemals wieder einen ähnlich hohen Stellenwert einräumen zu können.“ (vgl. Storp, 1997, S.27)

Übrigens, ich bin darüber nicht mehr empört.

Der Duft ist die Dimension, die uns an etwas rückerinnert, rückbindet und gleichzeitig öffnet für unsere Realität. Ein Duft trägt etwas Spirituelles in sich, eine Erweiterung der bewussten Wahrnehmung.
Im rationalen Umgang mit den ÄÖ verliert dieser Aspekt seine Bedeutung und wird „verschenkt“

Ist es sinnvoll, überspitzt gesagt, den ÄÖ zu „untersagen“ zu duften, sollen sie verduften??
Um in der persönliche Wahrnehmung eines ÄÖ dessen Duftes, als „Störfaktor“ auszuschließen, d.h., eine Ablehnung des ÄÖ zu vermeiden, gibt es einige Überlegungen, die ÄÖ über Potenzierungen  geruchlos zu gestalten. Damit könnten es sich geruchlos an der „ Wächterin“ Amygdala vorbeischlängeln, allerdings hat die Nase und die Person selbst, kein Mitspracherecht mehr.


Dass unser Geruchsinn entwicklungsgeschichtlich von großer evolutionärer Bedeutung ist, ist hinreichend bekannt

Ohne Duft erfährt unsere Lebens- und Gefühlswelt eine Reaktionskette von: Geruchlos–Berührungslos-Emotionslos-Motivationslos-Reaktionslos.

Die individuelle Wahrnehmung im Kontakt mit dem Duft des ÄÖ, ist das große Geschenk und die Chance, sich seiner Befindlichkeit bewusst zu werden und aktiv und selbstverantwortlich an dieser Interaktion teilzuhaben. Über den Duft der ÄÖ führt ein sinnlicher Weg  zur BeSINNung.

Wenn ein Mensch einen Duft/Geruch ablehnt hat er einen sehr guten Grund dafür… Ein als unangenehm empfundener Geruch kann  physischen und psychischen „Stress“ verursachen und die Befindlichkeit beeinträchtigen.


Es macht Sinn vor jeder duftenden Anwendung, den Geruchssinn „zu befragen“.